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"Soviel gibt's

was beglücken kann

und Freude lässt entstehen.

Es kommt auf Herz

und Augen an,

dass sie,

was Glück ist,

sehen."



(Johannes Trojan)
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Sonntag, 6. Februar 2011

03:45:00



3 Stunden und 45 Minuten.

Können 3 Stunden und 45 Minuten ein Leben verändern?

Ja. Natürlich. 3 Stunden und 45 Minuten können das Leben vieler Menschen verändern!

Was kann alles passieren, wenn jemand unerwartet 3 Stunden und 45 Minuten zu spät kommt?

Der untreue Ehemann schafft es nicht mehr rechtzeitig nach Hause und seine Lüge und sein gefaktes Alibi fliegt auf. Die Ehe geht darauf hin "kaputt", wenn gleich sie das selbstverständlich aus der Sicht der Beobachter vorher schon war. Eine Ehe und viele dazugehörenden Leben liegen in Scherben.

Die untreue Ehefrau schafft es nicht mehr rechtzeitig zu ihrem Geliebten. Das wird fatale Folgen  haben, denn dieser hatte ihr ein letztes Ultimatum gegeben und damit gedroht, seinem Leben ein Ende zu bereiten, sollte sie nicht wie vereinbart erscheinen.

Der frischverliebte Student schafft es nicht pünktlich zu seinem Blind Date zu erscheinen, das Mädchen geht mit dem falschen essen und merkt schlagartig, dass dieser auch der Richtige für sie ist. Der liebeskranke Student bekommt niemals mehr eine Chance und erkrankt dauerhaft am Gebrochenen-Herzen-Sydrom.

Der Chefkoch des angehenden Sterne-Hauses ist nicht anwesend beim Kochen für die Tester und so entgeht ihm und allen daran beteiligten die große Stern-Chance. Ein Jahr harte Arbeit umsonst. Der Koch verliert daraufhin seinen Job, weil den Stern zu erkochen seine Hauptaufgabe war.

Die Krankenschwester, die ihren Dienst antreten soll, damit die Kollegin pünktlich Feierabend hat, damit diese den großen Auftritt der Theatergruppe ihrer Tochter anschauen kann. Noch Jahre später wird das Töchterchen gekränt sein und der unschuldigen Mutter vorwerfen, dass sie nicht wichtig genug war.

Er hier, er raucht nun schon die 8. Zigarette, irgendwie sieht er ein wenig aus wie ein Terrorist... Er scheint sehr nervös zu sein, schaut immer auf die Uhr, telefoniert immer wieder aufgeregt und raucht eine nach der anderen. Er wird es nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen schaffen und der Sprengsatz in seinem Auto wird ungenutzt bleiben.

Dort, die 6 köpfige Familie, 3 kleine Kinder, 2 nervöse Erwachsene ebenso auf dem Weg zum Flughafen. Endlich Ferien! Endlich Urlaub! Der erste seit 7 Jahren! Grade noch so bezahlbar, aber nur weil alle Kinder noch nicht zur Schule gehen und sie, die Mutter, ihr wöchentliches Geld vom Zeitungs-Austragungs-Jon eisern über Jahre hinweg gespart hat.  Sie werden ihren Flug verpassen und das Geld wird nicht reichen "um eben mal so" umzubuchen.... Sie werden nie erfahren, dass das nun ihr Glück ist, denn dadurch werden sie nicht noch im Hotelzimmer ausgraubt...

Ach und dort, 5, vielleicht auch 6 ausgelassene Jugendliche auf dem Weg zu fetten Party! Weil sie keinen Bock darauf haben, danach noch zu einer schon ausgelassenen Party dazu zu stoßen, lassen sie es und machen daraus einen gemütlichen Filme-Abend. Eine weise Entscheidung, so entgehen sie dem Groß-Feuer, das dort ausbrechen wird.

Der Herzchirurg, der extra aus der benachbarten Unistadt einreisen wird um diese gefährliche, große OP vorzunehmen, auch er wird es nicht rechtzeitig schaffen... Ein anderer, unerfahrener Kollege muss den Eingriff wagen und erreicht - durch ein Wagnis bei der OP-Technik - anschließenden Weltruhm.

Das gigantische, lange schon ausverkaufte und seit Monaten erträumte Open Air Konzert der Lieblingsband wird ohne die beiden dort hinten stattfinden.

Der Versuch fürs morgige erste Schwiegermutter-Essen weltklasse zu kochen, wird scheitern, da kein Supermarkt, geschwiege denn der Einzelhandel, mehr geöffnet hat. Es wird Tütensuppe geben und die Schwiegermutter wird den armen Sohn voller Mitleid betrachten und ihm bei Gelegenheit die Nichte von Tante Ursel vorstellen.

Oh, und dann noch diese beiden hier. Hungrig sitzen sie da. Den Biosupermarkt wollten sie noch anfahren, den Blumenladen natürlich auch und wie immer am Wochenende auch die Buchhandlung. Danach war ein schöner Abend beim Japaner geplant. Sie haben Hunger und Durst und natürlich keinen Laptop und kein iPad dabei, sie langweilen sich irgendwie und versuchen sich die Zeit totzuschlagen durch Geschichten erfinden und Leute beobachten...

Dort, gestern abend, von 17.15 Uhr bis 21.00 Uhr im Stau auf der vollgesperrten A4.

Wow, 3 Stunden und 45 Minuten können Leben verändern, ganz bestimmt! :-)))
Wenn es nur nicht so langweilig dabei wäre... *gähn*

Gehabt Euch wohl!

Evelyn

Kommentare:

  1. Liebe Evelyn
    Ach, was ist das wieder für ein wunderbarer Post von dir.
    GGLG.Doris

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  2. Deine Posts sind etwas ganz besonderes, liebe Evelyn. Danke dafür!

    Ich drück Dich
    Angelina ♥

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  3. WOW - was für eine tolle Geschichte - ich liebe deine Phantasie :-))
    Einfach klasse - aber weißt du was - ich mach das auch oft genauso - in meiner kleinen Phantasiewelt passieren auch solche Sachen !!!
    Und ja - 3.45 können wirklich das Leben verändern !!!

    Danke dir - es war eine Freude zu lesen !!!

    Knuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuutsch Manu

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  4. Tausend Dank für diesen wundervollen Post!
    Ich werde mir die Geschichten gleich nochmal durchlesen!
    GGGGLG, Deine Melissa

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  5. Liebe Evelyn!

    Es ist eine tolle Geschichte - lustig, traurig, spannend und mit einem unerwarteten Ende...Zum Nachdenken. Das DU das alles geschrieben hast...ich bin begeistert!

    Und vielen lieben Dank für dein Kommentar heute. Ich habe mich ganz besonders darauf gefreut! So nett, dass du daran gedacht hast. Tja, in etwa 3 Stunden werde ich schon im Flieger sitzen))

    Alles Liebe und auf bald,
    Svet

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  6. Liebe Evelyn,
    Dein Text versüßt mir den Tag!
    Du schreibst so schön...ich bin regelrecht eingetaucht in Deine kleinen Geschichten...
    das waren - so scheint mir - gut genutzte 3 Std. 45 Min. ;)

    Liebste Grüße
    Martina

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  7. hm, okay.....



    ich hatte bei jeder zeile jetzt mehr bauchweh, weil ich jetzt etwas ganz dramatisches, tragisches als ende erwartet habe.
    ich bin froh, dass es "nur langeweile" war.



    lieben gruß,
    nora

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